Vita.

Thomas Rohloff

"Den Dingen eine Seele geben."

Im Jahr des Mauerbaus wurde Thomas Rohloff in West-Berlin geboren. Bereits im Grundschulalter beschäftigte er sich mit dem Puppenspiel und gründete mit Freunden die Kladower Puppenkiste. Es werden 25 Jahre folgen, in denen er regelmäßige Aufführungen für Kinder und Erwachsene gibt. So spielt er während der Oberschulzeit mit "Hugos Marionettenshow" und gewinnt mit 16 Jahren den "Fritz-Wortelmann-Preis" für Amateurpuppenspiel der Stadt Bochum. In dieser Zeit hatte er auch seine erste Fernsehmitwirkung. Er spielte den Flötenschlumpf im "Lied der Schlümpfe" von Vater Abraham, wenn dieser in Berlin einen Auftritt hatte. Ansonsten traf man ihn am Wochenende oft am Kudamm an, wo er vor Wertheim unterm Dach mit Marionetten Straßentheater spielte. Eine gute Schule um die Wirkungsweisen der Darstellung kennenzulernen und auch eine gute Einnahmequelle, um die ersten Anschaffungen für seine Theaterarbeit zu finanzieren.

Nach dem Abitur 1980 beginnt er zunächst eine Ausbildung in der Werbung und arbeitet in der Marktforschung. Hier begeisterten ihn schon damals die neuen Medien. So war er z.B. mit der Begleitforschung zu Bildschirmtext (BTX) beschäftigt, dem Vorläufer des heutigen Internets. Er errichtete damals ein eigenes Angebot unter *887# zum Thema Puppenspiel und war damit der jüngste Bildschirmtextanbieter Deutschlands. Nach verschiedenen Angeboten von namhaften Werbeagenturen entschied er sich dazu, seine Kreativität lieber für sich selbst zu nutzen und kehrte der Werbewirtschaft den Rücken. Er baute im Wedding eine Fabriketage zum "Pupparium" aus, wo er mit großzügigen Werkstätten und Probemöglichkeiten seine Ideen umsetzen konnte. Im Bezirk Spandau engagierte er sich mit einem Verein für ein Kulturhaus. Bis heute finden im dortigen Theater regelmäßige Figurentheateraufführungen für Kinder statt. In den ersten 10 Jahren hat er dort den Spielplan gestaltet und selbst vor meist ausverkauftem Haus gespielt.

Durch regelmäßige Weiterbildungen bei namhaften Dozenten aus dem In- und Ausland in den Fabula-Theaterwerkstätten in Kiel, lernte er verschiedenste Puppentechniken und deren Animation kennen. Durch eigene Inszenierungen wurde das neu Gelernte im Pupparium-Theater praktisch umgesetzt. Neben Auftragsinszenierungen wie z.B. zur 750-Jahrfeier Berlins mit seinem "Zille-Milljöh auf der Puppenbühne" unternahm er viele Gastspiele im gesamten Bundesgebiet und war auf fast allen Theaterwochen und Festivals vertreten. Viele Gruppen, die er dort kennenlernte, gastierten auch bei ihm im Theater im Kulturhaus Spandau. Er engagierte sich im "Verband Deutscher Puppentheater" und war im "Arbeitskreis Berliner Puppentheater" aktiv. Aus dieser Zeit bestehen noch bis heute viele Kontakte in die gesamte Puppenspielszene.

Neben der Theaterarbeit war er schon damals sehr an filmischen Umsetzungen interessiert. Es besuchte Seminare bei amerikanischen Maskenbildnern, die Gesichtsveränderungen mit Latexschäumen herstellten. Fasziniert war er vom Kinofilm "Der dunkle Kristall" von Jim Henson. Doch der deutsche Markt war noch nicht reif für solche Anwendungen. So war es der Holländer Hermann van Veen, der ihn 1987 nach Graz holte, um für eine Kinderserie des ORF Großfiguren zu spielen. Kurz zuvor hatte er mit Freunden in Berlin den Puppenkurzfilm "Die Erfindungen des Tobias Schraube" auf 35mm produziert. Das Prädikat "besonders wertvoll" erhielt der Film laut Jurybegründung für die akurate Puppenführung und die Weiterentwicklung dieses Metiers. Der Film wurde auf vielen Festivals gezeigt - auch beim Kinderfilmfestival der Berlinale.

Bei diesen vielen aufregenden Tätigkeiten für Film und Fernsehen wäre eine Rolle fast untergegangen, die noch sein Leben prägen sollte. Für eine Kindersendung des ZDF wurde ein Casting veranstaltet. Gesucht wurden Puppenspieler für einen Raben und einen sprechenden Koffer. Als der Anruf vom ZDF kam, dass man als Spieler ausgewählt worden wäre, war die Freude groß, da man sich auf die Rolle des frechen Raben freute. Doch hatte man die Rolle des sprechenden Koffers für ihn vorgesehen. Er könne zwar auch den Raben spielen und man habe viel gelacht und wäre vom Improvisationstalent begeistert, doch wäre er der einzige Spieler gewesen, der auch in der Lage war, dem Koffer eine Seele zu geben. Es wurde der erste Pilot unter dem Namen "Siebenstein" gedreht. Seit 1988, seit 30 Jahren, ist Siebenstein auf Sendung und zählt heute zu den Klassikern des deutschen Kinderfernsehens. Erst 2014 wurde eine neue Studiokulisse errichtet. Man produziert jetzt im Studio 1 der BUFA in der Oberlandstraße, wo früher die Hitparade des ZDF produziert wurde und wo er vor 38 Jahren den Flötenschlumpf von Vater Abraham spielte.

In den Nachwendezeiten hatte sich der Markt in Berlin stark verändert. Viele Puppenspieler kamen mit dem Ostteil der Stadt dazu und Berlin wurde zur Hauptstadt der Puppenspieler. Das Pupparim-Atelier im Wedding war nicht mehr Mauerrandlage, sondern galt plötzlich als Mittelage und die Mieten zogen an. Da zog er direkt nach Prenzlauer Berg und baute sich eine Fabriketage zum Atelier aus. Früher wurden dort Teile für VEB Robotron gefertigt, jetzt entwickelte er dort mit Freunden "Animatronics" - ferngesteuerte Puppen.

Wenn die 80er Jahre überwiegend durch die Theaterarbeit geprägt waren, überwiegten in den 90er Jahren die Fernsehtätigkeiten. Nur wenige Minuten von seinem Atelier entfernt wurde in der Voltastraße aus RIAS TV der neue Sender Deutsche Welle TV. Anfänglich nur als Nebenauftritt geplant, moderierte er mit der Klappmaulpuppe "Ferdinand Friedman" die werktägliche Sendung "Boulevard Deutschland". Schon bald wird die Puppe zum Anchorman und moderierte im wöchentlichen Wechsel gemeinsam mit Moderationsgrößen wie Gernot Wassmann, Nina Ruge, Gerd Delling oder Christine Westermann. Hier wird das Studio für ihn zum zweiten Wohnzimmer. Infotainment ist die neue Herausforderung. Schon bald war das gesamte Team angesteckt und arbeitete kreativ mit. "Um 17 Uhr ist Sendung - live und weltweit", das war das tägliche Motto. Was bis dahin zu schaffen war, wurde kreativ umgesetzt. Über 500 Sendungen machte er dort und war oft nicht nur Puppenspieler, sondern auch Journalist, Moderator, Regisseur, Lineproducer und Requisiteur. Nach drei Jahren kündigte er, um sich wieder stärker den szenischen Formaten zu widmen. Überwiegend für das ZDF-Kinderfernsehen und dem KiKa arbeitete er bis ins neue Jahrtausend hinein an verschiedenen Sendeformaten. Zusätzlich arbeitet er als Spezialanimator für verschiedene Spielfilme und für Werbung. In dem Fernsehspielfilm "Ein Yeti zum Verlieben" spielte er den Yeti als Ganzkörperfigur mit Animatronic-Köpfen, dessen Mimik von zwei Animatoren per Funk gesteuert wurde. Einen regelmäßigen Theaterbetrieb hält er nicht mehr aufrecht, sondern konzentriert sich auf einzelne Projekte, in denen er nun vom Figurentheater über Objekttheater zum visuellen medialen Theater gefunden hat. So scherzen Kollegen zuweilen, er sei jetzt nicht nur Puppenspieler sondern auch Pixelspieler.

2008 fand er eine neue Wirkungsstätte. In Berlin Moabit entdeckte er auf einem Hinterhof einen alten Gemeindesaal - verfallen und verkommen. Auf insgesamt 400 m² erstreckt sich der Saal über zwei Etagen mit umlaufender Galerie und einem Atrium mit 7m Deckenhöhe. Behutsam renovierte er das Objekt und macht es zu einem Gesamtkunstwerk - dem historischen Gemeindesaal Berlin-Moabit (www.gemeindesaal.de). Hier inszenierte er 2009/2010 sein Medienspektakel "First man on mars". Auch andere Theater proben und inszenieren in dieser Wirkungsstätte, da sie die Atmosphäre schätzen. "Der Saal hat Seele", so sagen sie. Und Genau das ist es, was Thomas Rohloff bis heute antreibt und was längst zu seinem Markenzeichen geworden ist: Den Dingen eine Seele geben!
Leider musste der Saal Anfang 2017 geschlossen werden. Es gab keinerlei Zuschüsse und anstehende Sanierungsarbeiten am Fundament machten eine weitere Planung unmöglich.

Die Suche nach neuen Produktionsorten verlief leider ohne Erfolg, so dass zurzeit die eigene künstlerische Arbeit nicht umgesetzt und fortgeführt werden kann.

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